Der Krieg in der Ukraine setzt die Ressourcenbeschaffung auf dem IT-Markt n der DACH-Region und ganz Europa unter Druck

Wir von dc nearshoring sind nun seit zwei Jahren im Bereich IT-Services im Nearhoring-Modus tätig. Die Beobachtung, dass viele IT-Projekte in Deutschland wegen fehlender IT-Ressourcen verschoben oder sogar abgebrochen wurden, gab die Idee für die Gründung unseres Unternehmens. Nach zwei Jahren Erfahrung haben wir mittlerweile ausgewählte Partner in 21 Ländern, mit denen wir täglich zusammenarbeiten. So sind wir in der Lage, die wichtigen Entwicklungen auf dem paneuropäischen IT-Markt wahrzunehmen und sogar kleine Veränderungen aufzuspüren.

Ohne den Anspruch auf die Genauigkeit eines Forschungsinstituts möchten wir unsere Beobachtungen hier teilen.

Nearshoring wurde in Deutschland von mittelständischen Unternehmen schon immer als etwas Riskantes wahrgenommen, unter anderem wegen des Fehlens direkter Kontrolle, und wegen der Zusammenarbeit mit Partnern aus Ländern, mit anderer Kultur und Arbeitseinstellung und mit einer anderen Sprache (und hier meinen wir Englisch ... nicht die lokale Sprache).

Dennoch haben viele Unternehmen in den letzten Jahren diese Befürchtungen überwunden und Sourcing-Aktivitäten in Nearshoring-Raum gestartet. Neben anderen Ländern wurden oft die Ukraine, Russland und Belarus als Bezug für Nearshoring ausgewählt, oft mit dem Ziel der maximalen Kostensenkung. Auch wenn die Qualität der Ingenieure dort tatsächlich ausgezeichnet ist, finden wir, dass die Maximierung der Ersparnisse die falsche Priorität darstellt. Tausende von IT-Experten aus diesen Ländern arbeiteten früher für deutsche Unternehmen.

An dieser Stelle möchte ich nur daran erinnern, dass laut Bitkon bereits im Januar rund 100.000 IT-Fachkräfte in Deutschland fehlten.

Der Krieg hat nun innerhalb weniger Wochen diese Kooperationen mit Unternehmen aus den drei Ländern Ukraine, Belarus und Russland vollständig gestoppt oder zumindest stark reduziert.

Die Reaktionen, die wir beobachten, kann man aus zwei Perspektiven betrachten. Auf der Seite des Lieferpartners, verlagern einige Multi-County-Unternehmen, ihre Ressourcen aus diesen Ländern, hauptsächlich in EU-Ländern (was natürlich schwierig für die Kollegen aus der Ukraine ist). Das ist eine smarte Lösung. Sie stellen Mitarbeiter vor Ort und bauen dort lokale Teams auf. Auf der Kundenseite kündigen viele Auftraggeber ihre Serviceverträge oder entlassen Mitarbeiter und schließen ihre eigenen Zentren in den drei benannten Ländern. Sie versuchen unter Zeitdruck diese Zentren mit solchen in der EU zu ersetzen oder neue aufzubauen.

Das Ergebnis: Im Moment steht die Ressourcenbeschaffung für den IT-Markt, vor allem in Polen, Ungarn und Rumänien, unter enormem Druck. Die Preise für IT-Ressourcen wachsen viel schneller und stärker als die Inflation.

Während andere Länder wie Serbien und die gesamte baltische Region für IT-Nearshoring als unsicher eingestuft werden und als zweite Wahl wahrgenommen werden, wächst das Interesse an Westeuropa wieder. Spanien und Portugal sind das neue Eldorado.... auch wenn dort der Markt schon vor dem Krieg unter Druck stand. In Italien können sich die kleinen und mittleren IT-Unternehmen nicht entscheiden, ob sie endlich auf der internationalen Arena und nicht nur auf dem lokalen Markt konkurrieren wollen, in dem sie zusätzlich zu den technischen Fähigkeiten ein anständiges Maß an englischen Sprachkenntnissen und internationaler Einstellung gewährleisten.

Unserer Meinung ist, dass die gesamte europäische Industrie eine schnelle Anpassung braucht. Die Tendenz momentan, alle Aktivitäten nach Deutschland zurückzubringen, um die Risikominimierung zu steigern, ist in unseren Augen ein großer Fehler. Wir müssen die Zusammenarbeit auf eine internationale Ebene fördern, andernfalls wird unsere Innovationskraft mit allen vorstellbaren Konsequenzen in hohen Maßen negativ beeinflusst.

Wie reagiert Ihr Unternehmen auf die Gesamtsituation? Teilen Sie uns gerne Ihre Erfahrungen per unseren Kontaktformular mit. Wir freuen uns auf Ihre Meinung.

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